Wanderfahrt vom Bodensee in den Rhein
Wanderfahrt vom Bodensee in den Rhein

Wanderfahrt vom Bodensee in den Rhein

Zwei Vereinsmitglieder haben sich wieder einmal mit unseren Ruderfreund:innen vom Ruderverein Friedrichshafen zu einer gemeinsamen Ausfahrt verabredet. Diesmal sollte es in den Untersee und den Hochrhein gehen. Leider drohte das lange geplante Abenteuer an den heuer extremen klimatischen Bedingungen zu scheitern: Weil der Wasserstand des Bodensees auf ein Rekordtief gefallen ist, kann der Steg am Bootshaus in Friedrichshafen nicht mehr benutzt werden. Mit ein bisschen Improvisation, viel Geschick und einer Sondergenehmigung des Vereinsvorstands konnten wir die beiden 4x+ „Bodensee“ und „Langenargen“ schließlich an einem wolkenlosen Samstagmorgen doch ins spiegelglatte Wasser lassen. Der alsbald aufkommende Wind sorgte für deutliche Wellen, die aber zum Seerudern irgendwie dazugehören.

Nach einer ausgiebigen Frühstückspause im malerischen Weinort Hagnau nahmen wir die Seequerung in Richtung Konstanz in Angriff. Wind und Wellen meinten es jetzt gut mit uns und wir konnten auf beinahe vollkommen glattem Wasser über den Bodensee rudern. In der Konstanzer Bucht standen wir dann vor der Herausforderung, einerseits den ausgedehnten Seichtstellen auszuweichen und andererseits den zahlreichen Kursschiffen und Freizeitbooten nicht zu sehr in die Quere zu kommen. Auch im schmalen Fahrwasser des Seerheins hieß es dementsprechend aufzupassen. Nebenbei konnten wir zuerst die Stadtkulisse und anschließend das ausgedehnte Naturschutzgebiet im Übergang zwischen Seerhein und Untersee bewundern.

Verschwitzte Ruder:innen treffen auf Ferrari-Fahrer:innen

Die nächste Pause stand auf dem Schweizer Ufer in Ermatingen auf dem Programm. Das Anlegemanöver an einem „etwas“ zu hohen Motorbootsteg, das noch dazu nur bedingt legal war (die kleinen Schilder zum Stillliegeverbot waren aber wirklich leicht zu übersehen) war mit vereinten Kräften gemeistert, anschließend kehrten wir im örtlichen Restaurant ein. Zwischen den zahlreichen adrett gekleideten Gästen, die auch gerne einmal extra mit dem Ferrari aus Zürich anreisen, fielen wir zwar ein wenig aus der Reihe, dennoch wurden auch die leicht verschwitzten Ruderer:innen freundlich mit kühlen Getränken versorgt. Auf der Weiterfahrt entlang der Insel Reichenau (die Abkürzung unter dem Zufahrtsdamm war leider trocken gefallen) meldete sich der Wind wieder zurück und sorgte für heftige Wellen und einiges an Wasser in den Booten. Dennoch konnten wir schließlich sicher an unserem Tagesziel beim Ruderclub Undine in Radolfzell anlegen.

Wobei „anlegen“ eigentlich der falsche Ausdruck ist: Auch im Untersee ist der Wasserstand so niedrig, dass der Steg unerreichbar für Ruderboote ist. Immerhin war er eine willkommene Ablagefläche für unser Gepäck. Nach leichten Schwierigkeiten mit dem Zutrittscode zum Bootshaus konnten wir schließlich unsere nassen Kleider ausziehen und duschen – gegen Einwurf von 20 Cent sogar warm. Anschließend machte sich ein Teil der Mannschaft mit der Bahn auf den Rückweg Richtung Friedrichshafen, um dort die Nacht zu verbringen, während sechs Ruder:innen den Abend mit einem Spaziergang ins belebte Stadtzentrum und einem guten Abendessen ausklingen ließen. Kurz vor Geschäftsschluss des örtlichen Supermarkts ging sich dann auf dem Rückweg zum Verein auch noch ein Einkauf fürs Frühstück und die Bootsverpflegung am kommenden Tag aus. Im Bootshaus angekommen, machten es sich schnell alle auf ihren mehr oder weniger komfortablen Nachtlagern gemütlich. Der Rudertag war lang und es galt, Kraft für die zweite Etappe zu tanken.

Schöner Morgen in Radolfzell

Der nächste Tag begrüßte uns mit einer einmaligen Morgenstimmung und wieder spiegelglattem Wasser. Leider verzögerte sich unsere Abfahrt ein wenig, weil es ein neu aus Friedrichshafen anreisender Mitruderer nicht ganz pünktlich zum Zug geschafft hatte. Zum Glück fahren die öffentlichen Verkehrsmittel rund um den Bodensee aber in dichtem Takt und die Verspätung hielt sich in Grenzen. Also konnten wir noch bei besten Bedingungen und ruhigem Wasser den See queren. Anschließend machte sich wieder Gegenwind bemerkbar und sorgte gemeinsam mit den im Untersee ziemlich flott fahrenden Kursschiffen wieder für einige Wellen, die aber für die routinierten und topmotivierten Bootsbesatzungen keine ernsten Probleme darstellten.

Kurz vor Mittag war dann das Ende des immer enger werdenden Sees erreicht und wir fuhren in den Hochrhein ein, der sich gleich mit deutlicher Strömung zu Wort meldete und uns durch das malerische Schweizer Städtchen Stein am Rhein trug. Bald darauf legten wir an einer durch den extrem niedrigen Wasserstand ordentlich verwachsenen und verschlammten Schotterbank an – Zeit für eine Jause und eine kurze Stadtbesichtigung, bei der wir am Dorfbrunnen auch unsere Trinkflaschen wieder auffüllen konnten. Zu viel Zeit wollten wir uns aber nicht lassen, schließlich standen uns noch gut 20 Ruder-Kilometer sowie das Abriggern und Verladen der Boote und anschließend die Rückfahrt nach Friedrichshafen bevor.

Niedriger Wasserstand und starke Strömung fordern ihren Tribut

Nach einer guten Stunde legten wir also wieder ab und ruderten los – umgeben von unzähligen Kajaks, Schlauchbooten und SUPs, die alle die relativ hohe Fließgeschwindigkeit des Hochrheins nutzen, um sich stromab treiben zu lassen. Uns sollte genau diese Strömung zum Verhängnis werden: Nach wenigen Kilometern kam eines unserer beiden Boote vom Kurs ab, musste abrupt ausweichen und verfehlte dadurch das mit Stangen markierte Fahrwasser. Unter der imposanten Eisenbahnbrücke von Hemishofen passierte es dann: Ein eindeutiges Geräusch von berstendem Holz, das Boot stoppte abrupt. Das klang nicht gut. Das zweite Boot legte einige Meter stromab am flachen Ufer an, um den gestrandeten Mitruder:innen zu Hilfe zu eilen. Die war auch notwendig, denn das havarierte Ruderboot hatte ein großes Loch im Rumpf und war blitzartig mit Wasser vollgelaufen. Mit vereinten Kräften gelang es – teils schwimmend – das Boot ans Ufer zu bringen, auszuleeren und an Land abzulegen. Eine hilfsbereite Spaziergängerin hatte uns inzwischen auch den Zugang zur nächsten Straße gezeigt, die zum Glück nicht allzu weit entfernt war. Nachdem Boot und Skulls gemeinsam zur Straße getragen waren, machte sich der verbliebene Doppelvierer mit Steuermann mit veränderter Besatzung schnell auf den Weg zum Ziel nach Schaffhausen, wo Auto und Bootsanhänger geparkt waren. Die anderen fünf Ruder:innen kümmerten sich ums Abriggern und das Bootsgepäck.

Die restlichen rund 20 Kilometer rheinabwärts boten noch einige malerische Aus- und Ansichten, wie etwa die gedeckte und blumengeschmückte Holzbrücke von Diessenhofen. Unser Steuermann hatte einige Herausforderungen in Form von wild umher treibenden Wasserfahrzeugen aller Art – darunter auch ein schwimmender Verkaufsstand für Eis und Getränke – zu meistern, zum Glück zeigten sich aber zumindest die allermeisten Motorbootführer sehr rücksichtsvoll gegenüber uns Ruderern – etwas, das wir uns auch in unserem Heimatrevier auf der Donau rund um Linz dringend wünschen würden. Nach einer trotz der Hindernisse sehr flotten Fahrt war schließlich das äußerst gepflegte Gelände des Ruderclubs Schaffhausen erreicht, wo wir freundlich begrüßt und ins frisch renovierte und blitzsaubere Bootshaus gebeten wurden. Viel Zeit für die Besichtigung der sehr ansprechend und großzügig gestalteten Räumlichkeiten ließen wir uns nicht und begannen alsbald mit dem Verladen des Boots, was mit gemeinsamem Anpacken schnell erledigt war.

Ohne Strom kein Bootstransport

Die Abfahrt verzögerte sich dann aber doch noch etwas, denn unser Fahrer hatte Mühe, eine freie Ladestation für sein Elektroauto zu finden. Für den Rest der Ruder:innen eine willkommene Gelegenheit, noch die eine oder andere Spezialität der Schaffhauser Falken-Brauerei zu genießen. Kaum waren die Flaschen geleert, war auch schon das Auto da. Weil nicht alle in einem Wagen Platz hatten, machten sich zwei Ruderer zu Fuß auf den längeren Weg zum Bahnhof und konnten dabei noch einen kleinen Eindruck von der äußerst sehenswerten Altstadt von Schaffhausen gewinnen sowie im Bahnhofssupermarkt etwas Proviant einkaufen.

Zwei Stationen später in Singen am Hohentwiel war die Überraschung groß, als drei weitere Ruder:innen zustiegen: Sie hatten an der Unfallstelle schnell beim Verladen des zweiten Boots geholfen und dann noch mit Glück den verspäteten Bus zum Bahnhof erreicht – manchmal hat die notorische Unpünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel in Deutschland auch ihre Vorteile. Auch den Zielbahnhof Friedrichshafen Hafen erreichten die fünf Ruder:innen dann mit über 20 Minuten Verspätung, zum Ruderverein waren es zum Glück nur mehr ein paar Meter. Dort hatten die Autofahrer:innen bereits beide Boote abgeladen. Jetzt galt es noch, das unversehrte Boot aufzuriggen sowie von ziemlich viel Sand, Wasserpflanzen und dem wirklich sehr hartnäckig haftenden Lehm zu befreien. Gemeinsam war auch das schnell erledigt und wir konnten zum gemütlichen Ausklang übergehen, wo wir auch schon Pläne für weitere gemeinsame Ruderabenteuer schmieden konnten.

Dem Ruderverein Friedrichshafen gebührt unser großer Dank für diese einmalige Ausfahrt. Ganz besonders bedanken möchten wir uns bei Michael für die perfekte Organisation der Fahrt, bei Dietmar für den zuverlässigen Bootstransport, bei Beate und Dagmar für den einmal mehr äußerst herzlichen Empfang in Friedrichshafen und natürlich bei allen insgesamt neun Mitruder:innen für die schöne gemeinsame Zeit.

Eva-Maria Gruber, Daniel Kortschak

Consent Management Platform von Real Cookie Banner Skip to content